Marktstruktur & Liquidität

Das A+ Setup im Detail: Time, Bias, Keylevel mit SMT, Entryfunktion


Vier-Schritte-Modell A+ Setup: TIME, Bias auf dem Tages-Chart, Keylevel mit SMT-Bestätigung, Entry Function auf 1-Stunde und 5-Minuten

Das A+ Setup ist ein vierstufiges Modell, das die übliche Reihenfolge beim Trading-Einstieg umdreht. Statt zuerst nach einem Muster zu suchen, wird zuerst die passende Uhrzeit bestimmt, dann die Marktrichtung, dann ein konkretes Keylevel per SMT bestätigt und erst danach der Einstieg gesucht. Alle vier Schritte bauen aufeinander auf, keiner davon lässt sich überspringen.

Warum die übliche Reihenfolge das Problem ist

Die meisten Trader schauen zuerst auf den 5- oder 1-Minuten-Chart, sehen ein Muster, das ihnen bekannt vorkommt und steigen sofort ein. Das Problem dabei: Ohne Kontext ist jedes Muster nur eine Wahrscheinlichkeit unter vielen.

Das A+ Setup dreht diese Reihenfolge um. Bevor überhaupt ein Einstieg gesucht wird, durchläuft man vier Filter, die die Trefferquote strukturell erhöhen sollen: die passende Uhrzeit, die Richtung des Marktes, die Bestätigung eines Keylevels durch ein korreliertes Instrument und erst danach die konkrete Einstiegsstelle. Wie diese Filter sich in das größere Gerüst aus Zeit, Liquidität und Markttyp einordnen, steht im Artikel Marktstruktur verstehen und lesen.

Schritt 1: Welche Rolle spielt die Uhrzeit (TIME)?

Bevor überhaupt ein Chart-Muster betrachtet wird, steht die Uhrzeit fest. Es geht dabei nicht um den Wochentag oder ein pauschales Gefühl für eine Session, sondern darum, in Zeitfenstern zu handeln, in denen tatsächlich die meiste Liquidität im Markt ist und die großen institutionellen Marktteilnehmer aktiv sind. Außerhalb dieser Fenster ist Bewegung oft nur Rauschen, das keine verlässliche Grundlage für einen Einstieg liefert.

Der Handelstag lässt sich in wiederkehrende Zeitfenster einteilen, die sich in Wechselwirkung zueinander verhalten: die Asien-Session, der Handelsstart in London zwischen 9 und 11 Uhr (MEZ) und die beiden New-York-Fenster, darunter der Vormittag zwischen 15:30 und 17 Uhr (MEZ). Jedes dieser Fenster bildet typischerweise ein eigenes Hoch und Tief, das als Referenzpunkt für die späteren Schritte dient. Welche Session konkret wann läuft und warum sich die Überlappungen besonders eignen, steht ausführlicher im Artikel Forex Trading lernen.

Die praktische Konsequenz: Ein A+ Pattern, das außerhalb dieser Killzones auftaucht, wird nicht automatisch verworfen, aber deutlich vorsichtiger behandelt als dasselbe Muster innerhalb eines etablierten Zeitfensters.

Killzones im Tagesverlauf: Asien-Session, London-Start sowie New-York-Vormittag und -Nachmittag mit jeweiligem Hoch und Tief
Chart mit den markierten Killzones (Asien, London, New York AM und PM) inklusive der jeweiligen Session-Hochs und -Tiefs.

Schritt 2: Wie bestimmt man den Bias auf dem Tages-Chart?

Innerhalb der passenden Uhrzeit muss der Markt außerdem eine Richtung vorgeben. Dafür wird das Verhältnis von zwei Liquiditätsarten betrachtet.

Externe Liquidität (ERL) sind Preisniveaus außerhalb der aktuellen Handelsspanne, an denen sich Stop-Orders sammeln, zum Beispiel Vortags-Hochs und -Tiefs, Session-Extreme oder markante Swing-High- und Swing-Low-Punkte. Diese Swing-Punkte fallen meist mit den Session-Extremen zusammen. Der Markt wird strukturell zu diesen Punkten hingezogen.

Interne Liquidität (IRL) sind Ineffizienzen innerhalb der aktuellen Spanne, meist Fair Value Gaps oder unausgeglichene Orderblöcke. Eine Fair Value Gap (FVG) ist die Preislücke zwischen dem Hoch einer Kerze und dem Tief der übernächsten Kerze bei einer starken, einseitigen Bewegung, wie sie im Artikel Kerzen verstehen: OHLC als direktionale Kerze beschrieben wird. Diese Lücke gilt als Ineffizienz, die der Markt mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu einem späteren Zeitpunkt erneut anläuft.

Die Grundregel: Liegt innerhalb der Range mehr ungenutzte Liquidität als außerhalb, also IRL größer als ERL, rechnet man zuerst mit einer Bewegung zurück in die Range, bevor eine neue Richtung entsteht. Liegt mehr Liquidität außerhalb, also ERL größer als IRL, ist ein direkter Vorstoß zu diesen externen Levels wahrscheinlicher.

Daraus leitet sich der Bias ab. Notiert der Preis an einem Swing-Low oder innerhalb einer bullischen Fair Value Gap, ist der Bias bullisch. Notiert der Preis an einem Swing-High oder innerhalb einer bearischen Fair Value Gap, ist der Bias bearisch.

Preis-Range mit interner Liquidität als Fair Value Gap und externer Liquidität als Vortags-Hoch
Beispielhafte Preis-Range mit interner Liquidität (Fair Value Gap innerhalb der Range) und externer Liquidität (Vortags-Hoch außerhalb der Range).

Schritt 3: Wie bestätigt man ein Keylevel mit SMT?

Uhrzeit und Bias allein reichen nicht. Bevor die Einstiegssuche beginnt, wird ein konkretes Keylevel, also ein Schlüssellevel wie ein Vortags-Hoch, ein Swing-Punkt oder eine Fair-Value-Gap-Kante, mithilfe eines zweiten, korrelierten Instruments bestätigt. Das Werkzeug dafür ist die SMT-Divergenz (Smart-Money-Divergenz), angewendet auf den verschiedenen Timeframes, an zentralen Higher-Timeframe-Keylevels. Verglichen werden zwei stark korrelierte Instrumente, zum Beispiel der Nasdaq (NQ) und der S&P 500 (ES).

Bei einer bullischen SMT fallen beide Instrumente auf ein neues Tief. Eines der beiden unterschreitet sein vorheriges Tief tatsächlich, das andere hält oberhalb seines vorherigen Tiefs und bildet ein höheres Tief. Diese Divergenz zeigt, dass die Abwärtsbewegung nicht von beiden Märkten getragen wird, ein Hinweis auf nachlassenden Verkaufsdruck.

Bullische SMT-Divergenz: NQ unterschreitet das vorherige Tief, ES hält darüber
Bullische SMT-Divergenz zwischen NQ und ES am Tief.

Bei einer bärischen SMT gilt das Spiegelbild am Hoch: Ein Instrument macht ein neues Hoch, das andere verweigert und bildet ein tieferes Hoch.

Bärische SMT-Divergenz: NQ bildet ein neues Hoch, ES verweigert mit einem tieferen Hoch
Bärische SMT-Divergenz zwischen NQ und ES am Hoch.

Der Grund, warum das funktioniert: Stark korrelierte Instrumente bewegen sich normalerweise im Gleichlauf. Wenn eines an einem Keylevel dreht und das andere nicht, deutet das auf selektives institutionelles Verhalten hin, nicht auf eine breite Marktbewegung. Genau das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer echten Reaktion an diesem Level.

Bestätigt die SMT das Keylevel nicht, ist das kein Grund zur Sorge, sondern ein Signal zu warten. Fehlende Bestätigung ist eine Information, keine Lücke, die man ignoriert.

Schritt 4: Wie sieht die Entry Function aus?

Erst wenn TIME, Bias und Keylevel mit SMT übereinstimmen, wird der konkrete Einstieg gesucht. Dieser basiert auf dem sogenannten A+ Pattern: einem Breaker-Block in Kombination mit einer Fair Value Gap.

Ein Breaker-Block ist eine ehemalige Unterstützungs- oder Widerstandszone, die gebrochen wurde und danach aus der Gegenrichtung erneut angelaufen wird, also eine Zone, die die Seite gewechselt hat. Überschneidet sich dieser Breaker mit einer Fair Value Gap, entsteht eine Zone mit doppelter Bestätigung, auch bekannt als Alignment. Diese Überschneidung ist deutlich seltener als ein einzelner Breaker oder eine einzelne FVG, dafür aber auch aussagekräftiger.

Die Ausführung erfolgt von der höheren in die niedrigere Zeitebene. Zuerst wird ein relevantes Level auf dem 1-Stunden-Chart identifiziert, das zum Bias passt. Erreicht der Preis dieses Level, wird auf den 5-Minuten-Chart gewechselt, um dort das A+ Pattern als konkreten Auslöser für den Einstieg zu suchen. Das 1-Stunden-Level liefert den Ort, das 5-Minuten-Pattern liefert den Zeitpunkt. Diese Kombination aus 1 Stunde und 5 Minuten ist dabei nur ein Beispiel für ein Timeframe-Alignment, andere Kombinationen sind ebenso möglich.

Top-Down-Ausführung: 1-Stunden-Level gibt den Ort vor, 5-Minuten-Pattern aus Breaker-Block und FVG gibt den Zeitpunkt
Die Entry Function von oben nach unten, vom 1-Stunden-Level zum konkreten Breaker-plus-FVG-Muster auf dem 5-Minuten-Chart.

Welche Fehler passieren am häufigsten?

Der häufigste Fehler bei diesem Modell ist, direkt bei Schritt 4 einzusteigen. Ein Breaker mit FVG-Überlappung sieht auf jedem Zeitrahmen gut aus, unabhängig davon, ob der übergeordnete Kontext stimmt. Ohne die richtige Uhrzeit, ohne Bias und ohne Keylevel-Bestätigung ist ein A+ Pattern nur eine Formation, keine Handelsgrundlage.

Vier Muster wiederholen sich dabei besonders oft. Erstens der direkte Einstieg beim Erkennen eines Breaker-und-FVG-Patterns, ohne vorher Uhrzeit und Bias geprüft zu haben. Zweitens das Überspringen der Keylevel-Bestätigung per SMT, weil das Setup auch so gut aussieht. Ein solches Setup kann genommen werden, sollte dann aber mit einem anderen, kleineren Risikobetrag pro Trade gespielt werden. Drittens das Ignorieren des 1-Stunden-Levels, wobei stattdessen direkt auf dem 5-Minuten-Chart nach einem passenden Pattern gesucht wird, ohne übergeordneten Ankerpunkt. Viertens der Einstieg entgegen der SMT-Divergenz, weil das Chartbild auf der eigenen Zeitebene verlockend wirkt.

Die Reihenfolge einzuhalten ist auch dann wichtig, wenn Schritt 4 der visuell greifbarste und damit verlockendste Teil ist. Die ersten drei Schritte sind unspektakulär, aber sie sind der Grund, warum Schritt 4 überhaupt funktioniert.

Das A+ Setup in der Übersicht

TIME: Killzones im Tagesverlauf, etwa Asien-Session, London-Start sowie New-York-Vormittag und -Nachmittag, jeweils mit eigenem Hoch und Tief als Referenzpunkt.

Bias: Verhältnis von IRL zu ERL auf dem Tages-Chart, bullisch am Swing-Low beziehungsweise an einer bullischen FVG, bearisch am Swing-High beziehungsweise an einer bearischen FVG.

Keylevel mit SMT: ein konkretes Schlüssellevel, bestätigt durch eine Divergenz zwischen zwei korrelierten Instrumenten, zum Beispiel Nasdaq und S&P 500.

Entry Function: das 1-Stunden-Level, FVG oder Swing-Punkt, gibt den Ort vor, das A+ Pattern aus Breaker-Block und FVG auf dem 5-Minuten-Chart gibt den Auslöser.

Als kurze Checkliste zum Abhaken:

Das Wichtigste in Kürze

Das A+ Setup läuft in vier Schritten top-down ab: erst die passende Uhrzeit über die Killzones, dann der Bias über das Verhältnis von interner zu externer Liquidität auf dem Tages-Chart, dann ein konkretes Keylevel bestätigt durch eine SMT-Divergenz zwischen zwei korrelierten Instrumenten, erst danach die Entry Function über ein 1-Stunden-Level und das A+ Pattern aus Breaker-Block und Fair Value Gap auf dem 5-Minuten-Chart. Der häufigste Fehler ist, direkt bei der Einstiegssuche zu beginnen und die ersten drei Schritte zu überspringen. Wie bei jedem Modell gilt: Es liefert Struktur, keine Garantie, entscheidend bleibt die konsequente Ausführung über viele Trades hinweg.

Wo lernt man die praktische Umsetzung Schritt für Schritt?

Ein Modell zu lesen und es unter echtem Marktdruck sauber auszuführen sind zwei verschiedene Dinge. Der Weg dahin läuft bewusst in drei Schritten, nicht in einem.

Schritt 1 ist die Ausbildung: die Grundlagen zu Marktstruktur, Liquidität und Risikomanagement, wie sie im Gratis-Kurs vermittelt werden.

Schritt 2 ist das Mentoring in einem kleinen, ausgewählten Kreis: direkter Austausch mit mir und Live-Trading am echten Markt. Hintergrund dazu steht auf der Seite Über mich, Anfragen dazu gehen am schnellsten per Nachricht auf Instagram.

Schritt 3 ist die eigenständige Umsetzung: das System selbstständig und selbstsicher anwenden, auch ohne Begleitung.

Genau das ist das Ziel, keine Abhängigkeit aufzubauen, sondern Freiheit und die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Niemand sollte im Trading den nächsten Chef in einem neuen Umfeld suchen. Wie Trading grundsätzlich strukturiert erlernt werden kann, steht im Artikel Trading selbst beibringen.

Kein Modell, auch dieses nicht, ist eine Gewinngarantie. Es ersetzt kein Risikomanagement und keine Übungszeit. Erfolgreiches Trading setzt fundiertes Wissen, Erfahrung, Disziplin und aktives Risikomanagement voraus, nicht nur ein gutes Setup.

Häufige Fragen

Was ist das A+ Setup im Trading?

Ein vierstufiges Modell, das die übliche Reihenfolge beim Einstieg umdreht: erst die passende Uhrzeit (TIME) über die Killzones bestimmen, dann den Bias auf dem Tages-Chart, dann ein Keylevel per SMT-Divergenz bestätigen, erst danach den konkreten Einstieg über die Entry Function auf niedrigeren Zeitrahmen.

Was sind Killzones beim Trading?

Killzones sind wiederkehrende Zeitfenster im Tagesverlauf, in denen historisch die meiste Bewegung und Liquidität entsteht, etwa der Handelsstart in London zwischen 9 und 11 Uhr (MEZ) oder der New-York-Vormittag zwischen 15:30 und 17 Uhr (MEZ). Außerhalb dieser Fenster ist die Trefferquote desselben Musters spürbar niedriger.

Was ist der Unterschied zwischen interner und externer Liquidität?

Externe Liquidität (ERL) sind Preisniveaus außerhalb der aktuellen Handelsspanne, an denen sich Stop-Orders sammeln, etwa Vortags-Hochs und -Tiefs. Interne Liquidität (IRL) sind Ineffizienzen innerhalb der Spanne, meist Fair Value Gaps, die der Preis oft erst auffüllen muss, bevor er weiterläuft.

Was ist eine SMT-Divergenz?

Eine Smart-Money-Divergenz entsteht, wenn zwei normalerweise stark korrelierte Instrumente sich an einem wichtigen Keylevel unterschiedlich verhalten, zum Beispiel wenn eines ein neues Tief unterschreitet und das andere nicht. Das gilt als Hinweis auf selektives institutionelles Verhalten und bestätigt oder widerlegt den zuvor bestimmten Bias.

Warum ist die Reihenfolge aus TIME, Bias, Keylevel und Entry wichtig?

Weil ein Einstiegsmuster ohne die richtige Uhrzeit, ohne Bias und ohne Keylevel-Bestätigung reine Mustererkennung ohne Fundament ist. Der häufigste Fehler ist, direkt bei der Einstiegssuche zu beginnen und die drei vorgelagerten Schritte zu überspringen, obwohl sie der eigentliche Grund sind, warum der Einstieg am Ende funktioniert.

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