Ein Fair Value Gap, kurz FVG, ist eine der am häufigsten missverstandenen Zonen im Preisverlauf, dabei ist die Definition denkbar präzise. Es handelt sich um eine Ineffizienz, die entsteht, wenn Angebot und Nachfrage innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Kerzen kurzzeitig aus dem Gleichgewicht geraten. Diese Ineffizienz hinterlässt eine Lücke im Chart, die der Markt in vielen Fällen später erneut ansteuert, ganz oder teilweise.
Was ist ein Fair Value Gap genau?
Ein Fair Value Gap ist ein Drei-Kerzen-Muster, bei dem sich die erste und die dritte Kerze nicht überschneiden. Die mittlere, zweite Kerze erzeugt durch ihre starke Bewegung die Imbalance und hinterlässt dabei die Lücke zwischen dem Hoch der ersten und dem Tief der dritten Kerze im bullischen Fall, beziehungsweise zwischen dem Tief der ersten und dem Hoch der dritten Kerze im bärischen Fall.
Wie unterscheidet man ein bullisches von einem bärischen FVG?
Ein bullisches FVG entsteht durch eine mit Aufwärtsschluss geschlossene, impulsive zweite Kerze, die die Imbalance erzeugt. Das Gap liegt zwischen dem Hoch von Kerze 1 und dem Tief von Kerze 3.
Ein bärisches FVG entsteht spiegelbildlich durch eine mit Abwärtsschluss geschlossene, impulsive zweite Kerze. Das Gap liegt zwischen dem Tief von Kerze 1 und dem Hoch von Kerze 3.
Was verrät die Reaktion auf ein FVG über das Momentum?
Nicht jedes FVG ist gleich zu bewerten. Wie der Markt später mit dem Gap umgeht, verrät viel über die Kraft hinter der Bewegung. Es gibt vier typische Reaktionsmuster.
Beim Breakaway Gap bleibt das FVG vollständig offen, der Kurs kehrt nicht dorthin zurück, um es zu schließen. Das ist das stärkste Signal: Der Markt bewegt sich energisch und entschlossen in eine Richtung, ohne Rücksicht auf die zurückgelassene Ineffizienz.
Bei der Partial Mitigation füllt der Kurs nur einen Teil des Gaps auf, bevor er die ursprüngliche Richtung fortsetzt. Ein Teil der Ineffizienz bleibt ungefüllt zurück, das deutet auf mittleres Momentum hin, energisch, aber nicht maximal entschlossen.
Beim Rebalance füllt der Kurs das FVG vollständig auf, bevor er sich wieder in Richtung der Ausgangsbewegung orientiert. Das signalisiert geringeres bis mittleres Momentum, der Markt braucht die Rückkehr, um weiterzulaufen.
Bei der Invalidation, dem inverted Fair Value Gap (iFVG), durchläuft der Kurs das FVG vollständig und dreht danach in die Gegenrichtung. In diesem Fall bestätigt sich kein Momentum in der ursprünglichen Richtung. Das Gap gilt als invalidiert und liefert stattdessen ein Signal für eine mögliche Trendwende.
Wofür nutzt man Fair Value Gaps in der Praxis?
Fair Value Gaps liefern den Bias von höheren Zeitrahmen, wenn erkennbar wird, in welche Richtung die letzte Ineffizienz zeigt. Sie liefern außerdem Einblick in den Orderflow, also darüber, welche Seite des Marktes gerade dominiert.
Auf höheren Zeitrahmen markieren sie Points of Interest, die auf niedrigeren Zeitrahmen für Einstiege genutzt werden. Sie liefern Bestätigung für andere Konzepte im Modell, etwa für Breaker Blocks, dienen als Kursziele für laufende Positionen und liefern konkrete Einstiegskriterien, wenn ein FVG mit einer anderen Zone zusammenfällt. Wie sich ein FVG konkret mit einem Breaker Block zu einem Einstiegsmuster verbindet, steht im Artikel Das A+ Setup im Detail.
Was hat Displacement mit Fair Value Gaps zu tun?
Displacement, also eine entschlossene, impulsive Kursbewegung, zeigt sich immer durch das Vorhandensein eines Fair Value Gaps. Wo Displacement stattfindet, entsteht zwangsläufig ein FVG, weil die Bewegung zu schnell für ein ausgeglichenes Orderbuch ist. Deshalb dient das FVG auch als Bestätigung, dass sich der Zustand der Marktlieferung geändert hat, der Markt also von einer Konsolidierung in eine gerichtete Bewegung übergegangen ist.
Für einen validen Einstieg an einem Breaker Block sollte deshalb immer geprüft werden, ob die Displacement durch den Breaker ein FVG hinterlassen hat, das sich mit der Zone deckt. Details dazu, wie viel Überschneidung wirklich nötig ist, stehen im Artikel Fair Value Gap und Breaker Block: Alignment prüfen. Je stärker die Displacement, desto größer in der Regel das FVG und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bewegung fortsetzt.
Wie sieht eine Invalidierung über ein FVG in der Praxis aus?
Durchläuft der Kurs ein zentrales Level, etwa gleiche Hochs oder ein wichtiges FVG, mit klarer Displacement in die Gegenrichtung, ist das ein deutliches Signal für eine mögliche Bias-Invalidierung. Solche Durchbrüche sollten nicht ignoriert, sondern als aktives Signal gewertet werden, die bestehende Markterwartung zu überprüfen.
Fair Value Gaps in der Übersicht
Ein Fair Value Gap ist ein Drei-Kerzen-Muster ohne Überschneidung zwischen Kerze 1 und Kerze 3, bullisch bei einer impulsiven Aufwärtskerze, bärisch bei einer impulsiven Abwärtskerze. Die Reaktion darauf verrät das Momentum: Breakaway Gap für maximales, Partial Mitigation für mittleres, Rebalance für niedriges bis mittleres Momentum, Invalidation für keine Fortsetzung und ein mögliches Trendwende-Signal.
Als kurze Checkliste zum Abhaken:
- Drei-Kerzen-Struktur eindeutig identifiziert, keine Überschneidung zwischen Kerze 1 und Kerze 3
- Bullisch oder bärisch korrekt klassifiziert
- Reaktionsmuster nach Bildung beobachtet: Breakaway, Partial Mitigation, Rebalance oder Invalidation
- FVG überschneidet sich mit einer anderen relevanten Zone, etwa einem Breaker Block
- FVG passt zur Displacement-Bewegung, die es ausgelöst hat
- Kein Einstieg allein auf Basis eines FVG ohne zusätzliche Bestätigung
FVGs automatisch am Chart: Fair Value Gaps aus bis zu drei frei wählbaren Higher Timeframes lassen sich auch automatisch einblenden, mit Mitigation-Erkennung zum bestätigten Barclose statt auf einem Live-Tick. Genau das übernimmt der Session Liquidity & HTF-POI Indikator.
Zum Indikator →Das Wichtigste in Kürze
Ein Fair Value Gap ist ein Drei-Kerzen-Muster, das entsteht, wenn Angebot und Nachfrage kurzzeitig aus dem Gleichgewicht geraten, bullisch bei einer impulsiven Aufwärtskerze, bärisch bei einer impulsiven Abwärtskerze. Wie der Markt später mit dem Gap umgeht, verrät das Momentum: von maximal beim Breakaway Gap bis zur vollständigen Invalidierung beim inverted Fair Value Gap. FVGs liefern Bias, Orderflow-Einblick, Kursziele und Bestätigung für andere Konzepte wie Breaker Blocks, ersetzen aber keine zusätzliche Bestätigung für einen Einstieg.
Wo lernt man die praktische Umsetzung Schritt für Schritt?
Ein Fair Value Gap im Chart zu erkennen und es korrekt in eine Handelsentscheidung einzuordnen sind zwei verschiedene Dinge. Der Weg dahin läuft bewusst in drei Schritten.
Schritt 1 ist die Ausbildung: die Grundlagen zu Marktstruktur, Liquidität und Risikomanagement, wie sie im Gratis-Kurs vermittelt werden.
Schritt 2 ist das Mentoring in einem kleinen, ausgewählten Kreis: direkter Austausch mit mir und Live-Trading am echten Markt. Hintergrund dazu steht auf der Seite Über mich, Anfragen dazu gehen am schnellsten per Nachricht auf Instagram.
Schritt 3 ist die eigenständige Umsetzung: das System selbstständig und selbstsicher anwenden, auch ohne Begleitung.
Genau das ist das Ziel, keine Abhängigkeit aufzubauen, sondern Freiheit und die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.
Häufige Fragen
Was ist ein Fair Value Gap im Trading?
Ein Drei-Kerzen-Muster, bei dem Angebot und Nachfrage kurzzeitig aus dem Gleichgewicht geraten. Die erste und die dritte Kerze überschneiden sich dabei nicht, die Lücke dazwischen gilt als Ineffizienz, die der Markt oft später erneut ansteuert.
Was ist der Unterschied zwischen einem bullischen und einem bärischen FVG?
Ein bullisches FVG entsteht durch eine impulsive Aufwärtskerze, das Gap liegt zwischen dem Hoch der ersten und dem Tief der dritten Kerze. Ein bärisches FVG entsteht spiegelbildlich durch eine impulsive Abwärtskerze, das Gap liegt zwischen dem Tief der ersten und dem Hoch der dritten Kerze.
Was ist ein inverted Fair Value Gap (iFVG)?
Ein FVG, das der Kurs vollständig durchlaufen hat, bevor er in die Gegenrichtung dreht. In diesem Fall bestätigt sich kein Momentum in der ursprünglichen Richtung, das Gap gilt als invalidiert und liefert stattdessen ein Signal für eine mögliche Trendwende.
Reicht ein Fair Value Gap allein als Einstiegssignal?
Nein. Ein FVG liefert Kontext, etwa Bias, Orderflow oder ein Kursziel, ersetzt aber keine zusätzliche Bestätigung. Ohne weitere Bestätigung, etwa durch eine andere Zone oder ein Einstiegsmuster, ist ein FVG allein kein ausreichender Grund für einen Trade.
Tiefer einsteigen: Im Gratis-Kurs findest du zu diesem Thema Videos und Arbeits-PDFs: das vollständige Konzeptwissen zum Liquiditäts-Prinzip, ohne Bezahlschranke.
