Von allen Konzepten in einem Trading-Modell ist Zeit vermutlich das am meisten unterschätzte. Ein technisch perfektes Setup außerhalb der richtigen Handelszeit bleibt trotzdem ein schwaches Setup, weil das Volumen fehlt, das die Bewegung trägt. Drei Bausteine definieren die eigene Zeitachse: Newsereignisse, Eröffnungszeiten der Sessions und die persönliche Fokuszeit.
Warum ist Zeit das wichtigste Konzept im Modell?
Ein Fair Value Gap, ein Breaker Block oder ein Stop Hunt sehen auf dem Chart identisch aus, unabhängig davon, ob sie um drei Uhr nachts oder während des New-York-Opens entstehen. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Form der Zone, sondern im Volumen und in der institutionellen Beteiligung dahinter. Um Zeit wirksam einzubauen, braucht es drei Bausteine: Newsereignisse, Eröffnungszeiten und die eigenen Hunting Hours, also die Zeit, in der aktiv nach Setups gesucht wird.
Wie werden Newsereignisse berücksichtigt?
Hochimpact-Newsereignisse erhöhen oder senken die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Setups, je nachdem, wie mit ihnen umgegangen wird.
Eine Wirtschaftskalender-Plattform wie ForexFactory.com/calendar hilft dabei, hochwirksame Newsereignisse zu identifizieren.
Hochimpact-Ereignisse sind auf gängigen Wirtschaftskalendern mit roten Markierungen gekennzeichnet (Red Folder News).
Relevant sind dabei ausschließlich die roten Markierungen, die tatsächlich zum gehandelten Währungspaar oder Instrument gehören.
Wie geht man konkret mit rot markierten Ereignissen um?
Liegt kein hochwirksames Ereignis im relevanten Zeitfenster vor, keine rote Markierung, kann regulär gehandelt werden, allerdings tendenziell etwas geduldiger und selektiver als sonst.
Liegt ein hochwirksames Ereignis vor, eine rote Markierung, wird grundsätzlich erst gehandelt, nachdem dieses Ereignis vollständig durchgelaufen ist. Die unmittelbare Reaktion auf die Veröffentlichung ist zu erratisch, um darauf ein sauberes Setup aufzubauen.
Für besonders volatile Termine gilt eine grundsätzliche Ausnahme: den CPI (Verbraucherpreisindex), FOMC-Zinsentscheide sowie den Zeitraum von Mittwoch bis Freitag in der Woche des US-Arbeitsmarktberichts (NFP). An diesen Tagen wird das Modell nicht ausgeführt, unabhängig davon, wie gut ein Setup aussieht.
In diesen Zeiträumen ist eher mit Konsolidierung und unsauberen Bewegungen zu rechnen, ideale Voraussetzungen also für eine bewusste Auszeit statt für einen Einstieg.
Wer trotzdem unbedingt handeln möchte, sollte das Risiko deutlich reduzieren oder ausschließlich auf einem sogenannten Eval-Account einer Prop-Firma handeln, wie im Artikel Prop Trading als Einstieg beschrieben.
Welche Eröffnungszeiten gelten für die wichtigsten Sessions?
Die folgenden Zeitfenster gelten als Referenz für Eröffnungszeiten in UTC-4 (US-Ostküstenzeit ohne Sommerzeit-Anpassung), oft auch als Killzones bezeichnet, weil in ihnen die meiste institutionelle Bewegung entsteht. Sie sollten bei Bedarf in die eigene Zeitzone umgerechnet werden, insbesondere im Frühjahr und Herbst lohnt sich eine Prüfung auf Verschiebungen durch Zeitumstellungen. Die MEZ-Angaben basieren auf einer festen Differenz zu UTC-4 und dienen als grobe Orientierung, da US- und europäische Sommerzeitumstellungen nicht an denselben Kalendertagen stattfinden.
Indizes-Sessions
| Session | UTC-4 | MEZ (Winterzeit UTC+1) |
|---|---|---|
| Asien | 20:00 - 00:00 | 02:00 - 06:00 |
| London | 02:00 - 05:00 | 08:00 - 11:00 |
| New York AM | 09:30 - 12:00 | 15:30 - 18:00 |
| New York PM | 13:30 - 16:00 | 19:30 - 22:00 |
Forex-Sessions
| Session | UTC-4 | MEZ (Winterzeit UTC+1) |
|---|---|---|
| Asien | 20:00 - 00:00 | 02:00 - 06:00 |
| London | 02:00 - 05:00 | 08:00 - 11:00 |
| New York AM | 07:00 - 10:00 | 13:00 - 16:00 |
Auffällig ist der Unterschied im New-York-Fenster: Bei Indizes zählt der offizielle Börsenstart um 09:30 Uhr Ostküstenzeit, bei Forex beginnt das relevante Fenster bereits mit dem europäischen Nachmittag. Mehr zur grundsätzlichen Logik hinter diesen Handelsfenstern steht im Artikel Forex Trading lernen.
Was sind Hunting Hours und wie werden sie festgelegt?
Die Eröffnungszeiten der Sessions sind objektiv und für alle Marktteilnehmer gleich. Die eigenen Hunting Hours dagegen sind individuell: der konkrete Zeitraum, in dem aktiv nach Setups Ausschau gehalten wird und Bereitschaft besteht, eine Position zu eröffnen.
Die Hunting Hours richten sich nach der Eröffnungszeit des gewünschten Instruments.
Der Zeitraum sollte so gewählt werden, dass ihm die volle, ungeteilte Aufmerksamkeit gilt, nicht nebenbei zwischen anderen Aufgaben.
Relevante Newsereignisse fließen in die Wahl des Zeitfensters mit ein.
Die Hunting Hours werden an die eigene mentale und emotionale Verfassung angepasst. Wer müde, abgelenkt oder emotional belastet ist, hat kein geeignetes Zeitfenster vor sich, unabhängig davon, welche Session gerade läuft.
Wie spielen die drei Bausteine zusammen?
Newsereignisse zeigen an, wann besser nicht gehandelt wird. Eröffnungszeiten zeigen an, wann grundsätzlich genug institutionelles Volumen im Markt ist. Die eigenen Hunting Hours zeigen an, wann persönlich die Bereitschaft und Fähigkeit besteht, diese Chancen zu nutzen.
Erst wenn alle drei Bausteine zusammenpassen, keine kritische News im Fenster, innerhalb einer aktiven Session und selbst fokussiert und bereit, wird aus einem technisch validen Setup ein Setup, das auch tatsächlich gehandelt werden sollte. Wie sich diese Zeitachse konkret in ein vollständiges Einstiegsmodell einfügt, steht im Artikel Das A+ Setup im Detail.
Time in der Übersicht
Drei Bausteine bilden zusammen die Zeitachse eines Setups: Newsereignisse mit roten Markierungen entscheiden, wann pausiert wird, Eröffnungszeiten definieren, wann genug institutionelles Volumen vorhanden ist und die eigenen Hunting Hours legen fest, wann persönlich fokussiert gehandelt wird. Für CPI, FOMC und die NFP-Woche (Mi-Fr) gilt eine strikte Ausnahme, das Modell wird an diesen Tagen nicht ausgeführt.
Als kurze Checkliste zum Abhaken:
- Wirtschaftskalender für den Handelstag geprüft, relevante rote Markierungen notiert
- Kein Einstieg unmittelbar vor oder während eines Hochimpact-Ereignisses
- CPI-, FOMC- oder NFP-Woche (Mi-Fr) beachtet, Modell gegebenenfalls ausgesetzt
- Setup entsteht innerhalb einer relevanten Eröffnungszeit
- Eigene Hunting Hours festgelegt und eingehalten
- Mentale und emotionale Verfassung vor dem Handelsfenster geprüft
Das Wichtigste in Kürze
Zeit ist kein Rahmenfaktor, sondern ein eigenständiges Selektionskriterium. Rot markierte Hochimpact-News lassen pausieren, bis das Ereignis durchgelaufen ist, für CPI, FOMC und die NFP-Woche (Mi-Fr) gilt: Das Modell wird nicht ausgeführt. Eröffnungszeiten definieren, wann institutionelles Volumen typischerweise vorhanden ist, dabei unterscheiden sich Indizes- und Forex-Sessions vor allem im New-York-Fenster. Hunting Hours sind individuell und hängen von News, Fokus und mentaler Verfassung ab. Erst wenn alle drei Bausteine zusammenpassen, wird aus einem technisch validen Setup eines, das auch tatsächlich gehandelt werden sollte.
Wo lernt man die praktische Umsetzung Schritt für Schritt?
Die drei Bausteine der Zeitachse zu kennen und sie täglich diszipliniert einzuhalten sind zwei verschiedene Dinge. Der Weg dahin läuft bewusst in drei Schritten.
Schritt 1 ist die Ausbildung: die Grundlagen zu Marktstruktur, Liquidität und Risikomanagement, wie sie im Gratis-Kurs vermittelt werden.
Schritt 2 ist das Mentoring in einem kleinen, ausgewählten Kreis: direkter Austausch mit mir und Live-Trading am echten Markt. Hintergrund dazu steht auf der Seite Über mich, Anfragen dazu gehen am schnellsten per Nachricht auf Instagram.
Schritt 3 ist die eigenständige Umsetzung: das System selbstständig und selbstsicher anwenden, auch ohne Begleitung.
Genau das ist das Ziel, keine Abhängigkeit aufzubauen, sondern Freiheit und die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.
Häufige Fragen
Warum ist Zeit im Trading so wichtig?
Weil dieselbe Chart-Formation, etwa ein Fair Value Gap oder ein Stop Hunt, je nach Uhrzeit ein völlig anderes Volumen und eine andere institutionelle Beteiligung dahinter hat. Ein technisch perfektes Setup außerhalb der richtigen Handelszeit bleibt trotzdem ein schwaches Setup, weil das tragende Volumen fehlt.
Wie geht man mit rot markierten Newsereignissen um?
Liegt keine rote Markierung im relevanten Zeitfenster, kann regulär gehandelt werden, etwas geduldiger und selektiver als sonst. Liegt ein Hochimpact-Ereignis vor, wird grundsätzlich erst nach dessen vollständigem Durchlauf gehandelt, da die unmittelbare Reaktion zu erratisch für ein sauberes Setup ist.
Wann wird das Modell komplett ausgesetzt?
An Tagen mit CPI-Veröffentlichung, FOMC-Zinsentscheiden und im Zeitraum von Mittwoch bis Freitag in der Woche des US-Arbeitsmarktberichts (NFP) wird das Modell grundsätzlich nicht ausgeführt, unabhängig davon, wie gut ein Setup aussieht.
Was sind Hunting Hours?
Die persönliche Fokuszeit, in der aktiv nach Setups gesucht wird und die Bereitschaft besteht, eine Position zu eröffnen. Anders als die objektiven Eröffnungszeiten der Sessions sind Hunting Hours individuell und richten sich nach der Handelszeit des gewählten Instruments, der eigenen Verfügbarkeit und der mentalen Verfassung.
Tiefer einsteigen: Im Gratis-Kurs findest du zu diesem Thema Videos und Arbeits-PDFs: das vollständige Konzeptwissen zum Liquiditäts-Prinzip, ohne Bezahlschranke.
